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| Super Trader: So erzielen Sie konstante Gewinne in steigenden und fallenden Märkten
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Die Münchhausen-Methode
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 10 REZENSENT) (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Super Trader: So erzielen Sie konstante Gewinne in steigenden und fallenden Märkten (Gebundene Ausgabe) Nehmen wir einmal an, wir kommen mit einer Tätigkeit nicht zurecht, weil wir glauben oder uns glauben gemacht wird, dass wir ein mentales Problem haben. Dann kaufen wir uns ein Buch über alle mentalen Schwierigkeiten, die sich bei dieser Tätigkeit so ergeben können, studieren es aufmerksam, erkennen im besten Fall unser Problem und befolgen dann die Ratschläge aus diesem Buch. Und plötzlich sind wir Superman auf einem Gebiet, mit dem wir vorher Schwierigkeiten hatten. Diesen so typischen amerikanischen Traum erzählt uns Börsen-Psychologe Van Tharp in seinem neusten Buch.
Es ist kein Geheimnis, dass jedem, der sich mit den Finanzmärkten anlegt, gnadenlos offenbart wird, welche mentalen Schwächen er hat. Und das ist alles andere als lustig. Kann man nun durch das Lesen eines Buches lernen, wie man diese störenden Schwächen beseitigt? Die Chancen für schnelle Erfolge sind nach meiner Erfahrung nicht besonders gut, weil man in seinem eigenen mentalen Gefängnis sitzt, das einem nicht nur den Zugang zur Wirklichkeit erschwert, sondern auch den Zugang zu den eigenen Steuerprogrammen. Dennoch kann ein Buch wie dieses wenigstens helfen, zu lernen, wie man seine wahren Probleme beim Trading erkennt und eventuell löst.
Van Tharp erstellt nach eigenen Angaben Modelle für das Neurolinguistische Programmieren (NLP) und trainiert Trader persönlich auf diese Weise. Das hat wirklich Sinn, weil so von außen in vermeintliche Schwächen eingegriffen wird. Im ersten Teil des Buches hingegen werden wir zunächst zu einer ehrlichen Selbsteinschätzung aufgefordert. Wenn wir Van Tharps Einladung folgen und auf seine Internet-Seite surfen, dann können wir feststellen, welcher Typ von Trader wir sind. Zum Glück gibt es nur 15 Typen, von denen acht keine Chancen eingeräumt werden. Außerdem tritt nun noch ständig der Trading-Tiger SAM als Lieblingscomicfigur des Autors auf und verbreitet kindliche Heiterkeit.
Es ist unmöglich, den Inhalt der einzelnen Abschnitte in konzentrierter Form wiederzugeben, weil dieses Buch trotz seiner nur 234 Seiten ziemlich überladen ist. Die meisten Themen können deshalb nur oberflächlich angerissen werden. So ermahnt man uns im ersten Teil zu Engagement und persönlicher Verantwortung. Wir sollen uns nicht ständig entschuldigen, uns selbst aufbauen, unsere (störenden) Überzeugungen durch Aufschreiben herausfinden, unsere Hindernisse genießen und lernen, achtsam zu traden. Schließlich sollen wir uns noch mit unserem inneren Interpretierer anfreunden, denn der interpretiert vielleicht Probleme, die wir gar nicht hätten, wenn sie nicht interpretiert werden würden. Wir lernen darüber hinaus zu dissoziieren (uns von außen zu beobachten oder in andere zu versetzen), was ich für eine sehr interessante Methode halte. Das Lösen von Blockaden, Meditieren, Disziplin und unser Seelenheil sind weitere Themen dieses ersten Teils, der fast die Hälfte des gesamten Textes ausmacht.
Im zweiten Teil des Buches erfahren wir, wie man einen dem Trading angemessenen Businessplan entwickelt. Trading ist ein Geschäft wie jedes andere. Deshalb stellen sich auch hier die Fragen: Welche Ziele verfolgen wir? Welche materiellen und ideellen Voraussetzungen besitzen wir dafür? Wie organisieren wir dementsprechend das Erreichen unserer Ziele? Der Autor erklärt diese Fragen recht ausführlich.
Im dritten Teil werden wir aufgefordert, ein Tradingsystem zu entwickeln, das zu uns passt und dort funktioniert, wo wir traden möchten. Obwohl Van Tharp sich in diesem Buch zu der verwirrenden Aussage gesteigert hat, dass Tradingerfolge zu 100% Psychologie sind, gibt er uns hier einige sehr allgemeine Ratschläge, die auch uns vermuten lassen, dass wir doch tatsächlich erst einmal eine Trading-Methodik brauchen, bevor wir den Psychologen zu Hilfe ziehen. Neben vielen (allgemeinen) Hinweisen enthält dieser Teil erneut die bereits im Vorgängerbuch aufgestellte blödsinnige Behauptung, dass es nicht auf die Einstiege ankommt, wenn man erfolgreich traden möchte. Einstiege bestimmen bei vielen Handelsmethoden ganz wesentlich das Risiko mit und haben so erheblichen Einfluss auf das Gesamtergebnis. Leider kann ich wegen der Vielzahl an Aussagen in diesem Teil nicht näher auf weitere Einzelheiten eingehen.
Unglücklicherweise definiert der Autor wie schon in seinen anderen Büchern im Text nie, was er unter einem Trading-System versteht. Damit seine statistischen Betrachtungen sinnvoll sind, muss man von einem mechanischen System ausgehen, denn ansonsten kann man Systemeigenschaften und Tradereigenschaften nicht trennen. Das wird erst versteckt im Glossar auf den letzten Seiten wirklich klar und eindeutig. Ein vollständiges Handelssystem kann man einen Computer handeln lassen. Dann braucht man zwar viel Geld, aber keinen Coach mehr. Wenn man nach einer Methodik handelt, die kein vollständiges System ist, also menschliche Entscheidungen zulässt, treffen überhaupt erst viele der Punkte zu, die in diesem Buch behandelt werden. Es wäre schön gewesen, wenn der Autor diesen zentralen Punkt gleich zu Beginn herausgestellt und geklärt hätte.
Der vierte Teil widmet sich der Bestimmung der Positionsgröße eines Trades. Da er recht konkret ist und die enorme Bedeutung dieses Themas herausarbeitet, ist er vielleicht der wichtigste Abschnitt dieses recht allgemein gehaltenen Buches.
Im letzten Teil dieses Buches diskutiert der Autor einige zusätzliche Methoden und widmet sich Fehlervermeidungsstrategien.
Fazit. Ob wir uns tatsächlich mit einem Buch in der Hand am eigenen Schopf aus dem Sumpf unserer mentalen Probleme beim Traden herausziehen können, halte ich für fraglich. Es ist zumindest nicht so einfach, wie uns der Autor glauben machen will. Dieses Buch ist sehr kompakt geschrieben und reißt deshalb die meisten Themen nur oberflächlich an. Andererseits stehen viele wichtige Aspekte des Tradings deutlich herausgearbeitet in ihm. Dieser Zwiespalt macht eine Bewertung schwer. Man kann sehr viel aus ihm lernen oder Anregungen mitnehmen. Aber die Allzweckwaffe, um nun endgültig ein "Supertrader" zu werden, ist es bestimmt nicht.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 19. März 2010 | | | | | | | |
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