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Suchtprävention in der Schule

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3. Individuelle Pathologie der Sucht

Wie aus 2.3.3 hervorgeht, kann süchtiges Verhalten als Ergebnis unterschiedlicher personaler und umweltlicher Faktoren gesehen werden. Daraus erwächst auch ihr Krankheitswert: Die individuelle Disposition - mit für die Süchtigen jeweils ganz unterschiedlicher Bedeutung und Stellung des süchtigen Verhaltens im Lebenszusammenhang - macht Sucht zu einem Phänomen, das äußerst schwer zu erfassen ist und es in die Nähe der "Unsagbarkeit" und "Namenlosigkeit" der Depression rückt (Kuhn 1994). Einige Autoren bezeichnen die Droge daher auch als eine Art Klebstoff, der das von divergierenden Kräften - z.B. den unter 1.4 genannten verschiedenen Lebenswelten - zerrissene Individuum zu einer integren Ganzheit zusammenschweißt (vgl. Rauh 1993).

Die daraus resultierende Sprachlosigkeit gilt sowohl für die gesellschaftliche Kommunikation über Sucht als auch für Äußerungen und Erklärungsversuche der Suchtkranken zu ihrem Verhalten selber (ebd.). Bekannt ist auch, daß viele Suchtkranke nur eingeschränkten Zugang zu ihrer Emotionalität besitzen (Nissen 1994). Abgesehen von konsumbegleitenden Beschwerden (z.B. Abszesse nach Injektionen) scheint es vor allem diese isolierte, nur schwer kommunizierbare Situation des Süchtigen zu sein, die in Verbindung mit der Ablehnung süchtigen Verhaltens durch die Gesellschaft den Leidensdruck der Sucht erzeugt. Dieser Komplex wird auch als Stigmatisierung beschrieben. Sucht ließe sich so gesehen sowohl aus individueller als auch aus gesellschaftlicher Sicht als pathologische Form der Beziehungen eines Individuums zu seiner Umwelt begreifen.

In Annäherung an die intrapsychische Dimension der Sucht präzisiert Waibel die psychosoziale Definition daher dahingehend, daß süchtiges Verhalten durch folgende Merkmale gekennzeichnet sei (Waibel 1992):

o Es wird zwanghaft wiederholt und gewinnt für den Süchtigen immer mehr an Bedeutung.

o Es führt zu einer zunehmenden Einengung der sozialen Bezüge und zum Verlust an Interessen oder Selbstkontrolle.

o Es treten bei ausbleibender Befriedigung psychische, manchmal auch physische Entzugserscheinungen auf.

o Der Süchtige versucht, sein Verhalten zu rechtfertigen, auch wenn gesundheitliche Folgen zu befürchten sind.

Damit sind zwar wiederum nur Symptome genannt, sie weisen aber mehr als z.B. die in 2.2 genannten Kriterien Bezüge zum individuellen Suchterleben auf. Darüberhinaus wird süchtiges Verhalten vielfach als Symptom tieferliegender Psychopathologien, vor allem der Depression, gesehen (z.B. Kuhn 1994).

Die individuelle Ausprägung einer Sucht verläuft dabei schleichend, d.h. anfänglicher Konsum führte über Gewöhnung zur Abhängigkeit und kann in völligem Zerfall der Persönlichkeit enden (Waibel 1992). Allerdings kann diese Entwicklung auch auf jeder Stufe stagnieren, inwieweit sie rückgängig gemacht werden kann, ist umstritten (Rommelspacher 1996). Rätsel bereitet bisher die Terminierung des Zeitpunktes, ab dem gewohnheitsmäßiges in süchtiges Verhalten übergegangen ist (Wolffgramm 1996).

4. Ätiologien der Sucht

4.1 Genetische Ursachen

Viele Untersuchungen, u.a. an eineiigen Zwillingen und Adoptivkindern, legen nahe, daß eine Disposition zu süchtigem Verhalten mit näher zu bestimmender Wahrscheinlichkeit vererbbar ist (z.B. Fritze 1994). Es wird aber auch darauf hingewiesen, daß jede Disposition auf entsprechende Umweltbedingungen angewiesen ist, um sich zu äußern. Außerdem konnte bisher nicht der Nachweis spezieller "Suchtgene" erbracht werden - wahrscheinlicher ist, daß ein Zusammenspiel mehrerer Gene möglicherweise eine Disposition zur Sucht erzeugt (Topel 1991).

 

  
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