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Suchtprävention in der Schule

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7.5 Elternarbeit

Die Kleinfamilie ist durch einen Verlust traditioneller sozialer, ökonomischer und gesellschaftlicher Funktionen gekennzeichnet (vgl. 1.4), ihre Aufgabe reduziert sich heute meist auf "die organische und psychische Wiederherstellung der Arbeitskraft ihrer arbeitenden Mitglieder" (Schobert 1993) und "die Erzeugung und Erziehung von Kindern" (ebd.). Das heißt, daß viele Familien, ebenso wie Einzelne, durch Isolation und wenig Beziehungen zur Außenwelt gekennzeichnet sind, ja, die Familie wird von Politik und öffentlicher Meinung zum einzigen, überhaupt noch möglichen Ort von Liebe und Geborgenheit hochstilisiert. Gleichzeitig bietet die dynamische, partialisierte Gesellschaft Familien wie Kindern die Möglichkeit, sich in isolierten Spezialwelten und Steckenpferden (Computer, Gameboys, Fernsehen, Arbeit, Hobbies, vgl. 6.5.4) zu verlieren, mit der Konsequenz zunehmend eingeengten Weltbezuges bzw. Kontakten zur Umwelt, aber auch gestörter Kommunikation innerhalb der Familie.

Viele Kinder und Jugendliche reagieren auf schwierige Verhältnisse mit Verhaltensauffälligkeit oder riskantem Gesundheitsverhalten, u.a. Drogenkonsum, Ernährungsstörungen, Kriminalität und gefährlichem Verhalten im Straßenverkehr (Hesse 1993); Kinder und Jugendliche sind keineswegs als durchgängig gesunde Bevölkerungsgruppe zu betrachten, vielmehr bietet die moderne Gesellschaft etliche Risiken, die die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen behindern können (ebd.). Auch Schwierigkeiten mit der Erziehung dürften unter diesen Umständen eher die Regel denn die Ausnahme sein (vgl. Schobert 1993).

Da viele Probleme von Kindern und Jugendlichen, darunter süchtiges Verhalten und Drogenkonsum, aus der relativen Isolation der Kinder wie der Familien resultieren, scheint mir eine enge Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule geboten. Lehrern und Lehrerinnen kommt von Gesetzes wegen die Aufgabe zu, Kontakt zu den Eltern herzustellen und zu pflegen, hinsichtlich des Sexualkundeunterrichts müssen Eltern sogar in die schulische Erziehung mit einbezogen werden (vgl. Entwurf vom 30.4.98 der Richtlinien für die Sexualerziehung in NRW). Nicht nur unter suchtpräventivem Aspekt dürfte aber eine weitaus engere Zusammenarbeit von Eltern und Schule sinnvoll sein, als es die Schulgesetze zur Elternmitwirkung vorschreiben.

Wenn beispielsweise eine Ursache für Drogenkonsum in überzogenen Leistungserwartungen der Eltern liegt (vgl. 6.5.3) und schlechte Schulleistungen sich auf das Befinden der ganzen Familie auswirken (Petzold 1999), dürften vereinzelte Auskünfte an die Eltern über den Leistungsstand ihrer Kinder nicht ausreichen. Stattdessen muß sich Schule den Eltern öffnen, indem diese eingeladen werden, am Unterricht teilzunehmen, möglicherweise als Hilfslehrer bei der Hausaufgabenbetreuung mitwirken, eigene Dinge vorstellen, z.B. besondere Hobbies oder Berufe, auf jeden Fall aber kontinuierlich über Entwicklungen in der Schule auf dem Laufenden gehalten und damit in das Schulgeschehen mit einbezogen werden. Vorstellbar wäre sogar, daß die Schule Fortbildungen für Eltern zu aktuellen Fragen wie familiäre Erziehung, "Aggression und Gewalt unter Kindern" (ebd.), "Auswirkungen des Fernsehens und neuer Medien" (ebd.) und dergleichen mehr anbietet und damit das von Autoritätsgläubigkeit und Respekt geprägte Verhältnis der Eltern zur Schule aufheben (ebd.) und die Eltern ihrem Phlegma der Schule gegenüber entheben würde. Dadurch würde auch das Verhältnis der Kinder zur Schule entkrampft und es könnte idealerweise ein schulisches Milieu entstehen, in dem sich die Schüler sicher, geborgen und wohl fühlen und das Drogenkonsum überflüssig erscheinen läßt.

Schule als akzeptierte und autorisierte Institution der Gesellschaft besitzt daher das Potential, gesellschaftliche Mißstände zu mildern und neue Entwicklungen in Gang zu setzen. Die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Schulprogramme (vgl. § 3, 1 SchulG Schl.-Holst.), die sich jede Schule zu geben hat, bieten dafür einen Ansatz, der ausgestaltet werden kann. Lehrern und Lehrerinnen kommt somit in ihren Klassen die Aufgabe zu, über den Unterricht und über außerschulische Aktivitäten Eltern und Schüler näher aneinander zu bringen, Gemeinschaft herzustellen und Schule so zum Treffpunkt werden zu lassen. Ein solches Klima würde Drogenkonsum weitgehend unattraktiv erscheinen lassen, Drogenkonsum würde aber aufgrund der sozialen Kontrolle auch sehr schnell auffallen.

7.6 Kommunikation

Sprache ist das differenzierteste Mittel des Menschen, Kontakt zu seiner Umwelt aufzunehmen, die Förderung sprachlicher Fähigkeiten daher auch unter suchtpräventiver Ägide eine vorrangige Aufgabe der Schule. Sprachliche Fähigkeiten werden dabei vor allem durch Vorbilder (Medien) und im Gespräch gebildet. Dem Unterrichtsgespräch, also jeder Art von gesprochenem Wort im Unterricht, kommt daher große Bedeutung für die Ausbildung der Kommunikationsfähigkeit zu. Dabei spielen viele Parameter eine Rolle, z.B. Mimik und Gestik beim Sprechen. Aus der Art, wie etwas gesagt wird, ergibt sich dessen Bedeutung. Bedenkenswert ist, daß in jedem Moment, in dem etwas gesagt wird, sich die Situation ändert, auch durch das Gesagte. Jedes Wort bestimmt darüber, welches Verhältnis ich gerade zum Gegenüber einnehme. Lehrer und Lehrerinnen besitzen daher die Möglichkeit, ihren Schülern volles Sprechen vorzuleben, d.h. das ganze Gewicht des Gesagten auch in die Sprache hineinzulegen und sich kongruent dazu zu verhalten. Damit lernen auch SchülerInnen, Körpersprache und Sprechen in Übereinstimmung zu bringen, sich echt und authentisch mitzuteilen und die eigene Person unmißverständlich darzustellen. Die Beherrschung von Sprache trägt wesentlich zur Identität bei.

  
Suchtvorbeugung in Schule und Jugendarbeit
von Heinz Kaufmann
Siehe auch:
Warum Huckleberry Finn nicht süchtig wurde:...
Die 50 besten Spiele fürs Selbstbewusstsein
Sonstige Artikel:
Bürgerliches Gesetzbuch ( BGB) 1 - Einführung und Allgemeiner Teil. Ein Lehrbuch mit Fällen und Kontrollfragen
von Dieter Leipold
EinFach Deutsch - Textausgaben: Kabale und Liebe. Mit Materialien: Ein bürgerliches Trauerspiel
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