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Suchtprävention in der Schule

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7.4 Bildung

Intellektuelle Fähigkeiten dürften die Selbstreflexivität begünstigen und damit einem selbstschädigenden Verhalten wie der Sucht entgegenstehen - von daher hat Schule schon immer das Ihre zur Suchtprävention beigetragen. Andererseits sind Drogenkonsum und Sucht eng an Grenzerfahrung, also eine Form von Wissen, gebunden (vgl. 4.6); gerade in der Pubertät mit ihrem unsicheren Status und ihrer Dynamik streben Jugendliche nach Orientierungspunkten, müssen ihre Grenzen austesten und wollen Selbstwirksamkeit erfahren:

"Heroin mit seinem [...] tendenziell asozialen und, gerade in der aktuellen Dedifferenzierung des Ich, ichzentrierten Rausch ist in diesem Sinne eine sehr ´erwachsene´ Droge, was sich u.a. in der kulturellen Rede über Heroin als der ´härtesten´ Droge [...] äußert. [...] Zweitens aber, und hier schließt sich der Kreis zum öffentlichen Interesse an jugendlichen Fixern, bringt fortgesetzter Heroinkonsum die Jugendlichen regelmäßig in die Situation des Goetheschen Zauberlehrlings (oder besser: bringt diese Situation klar zum Ausdruck). [...] Aber Heroin ´paßt´ von der spezifischen Wirkung und vom kulturellen Bild her genau zu der beschriebenen Ungleichzeitigkeit von Wollen und Können [der Pubertät, W.K.] mitsamt ihrer sozialen Konsequenzen. [...] solange Pädagogik sich freiwillig unter den Anspruch stellt, ein Problem zu lösen, dessen Horizont weit jenseits jeder pädagogischen Einflußnahme liegt. Umgekehrt - und etwas freundlicher - formuliert, hat die Schule immer schon das ihr Mögliche dazu beigetragen, Heroinsucht unter den Schülern zu verhindern" (Dammer 1991).

Mit anderen Worten: Jugendliche wollen Kompetenz erlangen; Schule kann allerdings nicht verhindern, daß einige dieses Ziel auf einfacheren bzw. anderen Wegen zu erreichen suchen. Auch theoretisches Wissen ist eine Kompetenz, die gemeinsam mit lebenspraktischem Wissen dazu beiträgt, sich in der etablierten Welt zurechtzufinden und sie mitzugestalten (vgl. Hallmann 1994). Den natürlichen Wissensdurst der SchülerInnen zu befriedigen, dürfte daher gute Suchtprävention sein - ein spannender und interessanter Lehrunterricht suchtpräventive Wirkung haben, und es ist nicht einzusehen, warum viele Fragen, die die moderne Gesellschaft aufwirft, nicht auch jungen Menschen gestellt werden sollen - z.B. der Medizinethik, die sich folgenden, täglich relevanten Fragen gegenübergestellt sieht (vgl. Otte 1995):

Wem soll eine passende Spenderniere implantiert werden?

einer 68-jährigen russischen Nobelpreisträgerin, die vor dem Abschluß einer weiteren wichtigen medizinischen Arbeiten steht, an Krebs leidet und vermutlich nicht mehr lange leben wird?

einer 40-jährigen Hausfrau, die drei Kinder zwischen 8 und 15 Jahren zu versorgen hat?

einem 29-jährigen drogensüchtigen Sozialhilfeempfänger?

Hier wird also die Frage nach Moral gestellt, und auch der moralischen Urteilsfähigkeit als Fähigkeit, "Entscheidungen zu treffen und umzusetzen und diese auch als richtig bemessen zu können [...]" (Hallmann 1994) dient Bildung, indem Kenntnisse und Fertigkeiten Voraussetzungen moralisch begründeter Urteile sind (ebd.). Eine Verbindung traditionell wissenvermittelnden (Frontal-)Unterrichts mit der Diskussion aktueller Fragen wie der von Otte (1995) genannten dürfte daher erfolgversprechend sein und auch strengen Lehrplänen abzuringen. Hallmann (1994) nennt außerdem folgende Kompetenzen, die ein suchtpräventiver Umgang mit Kindern und Jugendlichen vermitteln muß bzw. die allgemeine Aufgaben der Schule sind:

kommunikative

kognitive

Sach-

Methoden-

soziale

moralische

Genußkompetenz,

wobei er noch ergänzt, daß Askese als Fähigkeit zum Verzicht Voraussetzung für Genuß ist. Es gilt also Unterrichtsformen zu finden, die all diesen, sicher nicht immer unter einen Hut zu bringenden Erfordernissen gerecht werden.

 

  
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