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Suchtprävention in der Schule

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7.3 Sensorische Erziehung, Körpererleben

Sensorische Reize aller Art, u.a. taktile, akustische, visuelle, olfaktorische, gustatorische und Körpersinn, fördern die Ausbildung der Persönlichkeit und eröffnen ihr einen vielfältigen Weltbezug. Zudem weisen sensorische Erfahrungen einen engen Bezug zum Körper auf und sind an der Ausprägung des Körperschemas beteiligt. Von daher ist ein Unterricht, der verschiedene Sinnesorgane anspricht und vielfältige Sinneseindrücke ermöglicht, identitätsfördernd und wirkt gestörten Umweltbeziehungen, die ja die Sucht sowohl kausal wie symptomatisch charakterisieren (vgl. 3., 6.5.4.), entgegen. Schulfächern wie Kunst, Musik und Textilgestaltung kommt daher unter suchtpräventivem Aspekt besondere Bedeutung zu; gerade die Arbeit mit textilen Stoffen kann z.B. zahlreiche sinnliche Erfahrungen auslösen (taktil, optisch) und erlaubt darüberhinaus vielfältige Bezüge zum Leben der Schülerinnen und Schüler (vgl. Waibel 1993). Sensorische Erfahrung als Methode ist aber auch spätestens seit der Reformpädagogik Allgemeingut der Pädagogik und kommt zur Anwendung, deshalb soll hier, was den traditionellen Unterricht angeht, nicht näher darauf eingegangen werden.

Wichtig unter suchtpräventivem Aspekt scheinen dagegen Aktivitäten zu sein, die den Rahmen traditionellen Unterrichts verlassen. Vorstellbar ist dann zum Beispiel, im Unterricht gelegentlich (einfache) Mahlzeiten zuzubereiten und gemeinsam einzunehmen oder andere Aktivitäten zu veranstalten, bei denen Genuß kultiviert wird (Konzerte, Modenschauen, Parfümproben etc.) - ein weiterer wichtiger Aspekt suchtpräventiver Maßnahmen (Nöcker 1990), der außerdem Anklang an Initiationsrituale bietet (vgl. 4.6). Wünschenswert ist so gesehen ein Unterricht, der nicht nur sensorische Erfahrung ermöglicht, sondern diese auch in eine entsprechende Atmosphäre einzubetten versteht und auf diese Weise das Erlebnis sensorischer Erfahrung und den Genußcharakter, den sensorische Reize bieten können, hervorhebt. Gemeinsamer Genuß stellt dabei ein Moment dar, das das Bewußtsein für Gemeinschaft äußerst effektiv hervorbringt, damit ein wichtiges Stück sozialer Kompetenz schafft und als wirkungsvolle Alternative zum Drogenkonsum suchtpräventiv sein kann (vgl. Nöcker 1990). Selbstverständlich kommt es aber auch hier darauf an, die Bedürfnisse der SchülerInnen zu berücksichtigen; Genuß kann nicht erzwungen werden und hängt eng von den Beziehungen der Beteiligten untereinander ab.

Desweiteren gehört zu einer sensorischen Erziehung auch die Gestaltung des Lernumfelds, also z.B. der Schulräumlichkeiten, die ansprechend, vielfältige Sinneseindrücke ermöglichend und letztlich "bewohnbar" sein sollten, z.B. durch Pflanzen, Gemälde, Kunstobjekte und die Verwendung verschiedener Materialien, auch "weicher" wie Textilien, Plastik oder Schaumstoffe, die zu Erkundung und Exploration herausfordern (vgl. Hallmann 1991). Zum Lernumfeld gehören auch Aktivitäten, die um den schulischen Unterricht herum gruppiert sind, wie Klassenfahrten, Feiern oder Projekte, die von der Schule ausgehen und Engagement auf verschiedenen Gebieten, z.B. lokale Biotop-Pflege oder politische Anliegen wie den Einsatz für amnesty international, zum Gegenstand haben können. Solche Aktivitäten ermöglichen vielfältige sinnliche Eindrücke und sind vor allem durch ihre Integration von Sensorik und Kognition sinnvoll.

Auch der Sportunterricht mit seiner direkten körperlichen Betätigung dient dem Ziel, ein authentisches Körpergefühl und damit Identität auszubilden. Gleichzeitig wird dadurch der Körpersinn entwickelt, d.h. das fast unbewußte Gespür für den eigenen Körper, die inneren Vorgänge und die Koordination der Bewegungsabläufe (vgl. Gardner 1991). Ob allerdings ein wöchentlicher Sportunterricht - wovon die derzeitige Praxis ausgeht - diesem Anliegen in ausreichendem Maß gerecht wird, ist die Frage. Stattdessen wäre auch vorstellbar, in den Unterricht kurze Phasen mit Entspannungsübungen, Atemtechniken (dazu sehr gut: Kutscher 1995), Muskellockerung, Yogaübungen etc. einzuflechten, wodurch der Unterricht aufgelockert, strukturiert, Konzentration und Konzentrationsfähigkeit möglicherweise gesteigert und der Forderung nach Ganzheitlichkeit des Unterrichts Genüge getan würde. Gleichzeitig würde durch regelmäßige Übung ein Bewußtsein für Gesundheit geschaffen, die als schützenswertes und kulturelles Gut anerkannt ist (vgl. Hemme 1995).

(aus: Bartsch 1995)

 

  
Suchtvorbeugung in der Praxis. Ein Arbeitsbuch für Schule und Jugendarbeit
von Heinz Kaufmann
Siehe auch:
Die 50 besten Spiele fürs Selbstbewusstsein
Jugendliche und Drogen: Das Thema Sucht in...
Sonstige Artikel:
100 Kleinigkeiten, die ich an dir liebe
Shuttle Barebone SX48P2, schwarz
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