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7.2.2 Konsequenzen Angesichts einer stark auf Konsumcharakter und Pornographie verkürzten Darstellung der Sexualität in den Medien fordert Glöckner für die Schule als gemeinschaft- und kulturstiftender Institution daher ein "Gegenangebot" (ebd.) in Form eines sexualerziehenden Unterrichts, der/ Sexualität begreift als (ebd.) Teil der Identität eine entscheidende Lebensenergie des Menschen und deshalb von einem positiven Sexualitätsverständnis auszugehen hat Emotionalität und Lust nicht ausklammert von einem weiten Verständnis von Sexualität ausgeht, das nicht final auf den genitalen Orgasmus gerichtet ist, sondern vielfältige Formen erotischer Erlebnisse einbezieht und zu kultivieren hilft schuldentlastend wirkt und Angstgefühle abbaut nicht nur kognitiv orientiert im Sinne der herkömmlichen Aufklärung veranstaltet wird das Recht auf Intimität bewußt macht und Strategien zu deren Durchsetzung erarbeitet und einübt Sensibilität für Nähe und Distanz schafft wie in jedem anderen Unterricht die Fragen und Probleme der Kinder ernstnimmt und zum Unterrichtsgegenstand macht. Als Beispiele so verstandener Sexualerziehung werden genannt (Geißendörfer 1997): o Rollenspiele, z.B. Begrüßungsrituale darstellen und einüben, dabei (non)verbale Ausdrucksmittel erfahren und einsetzen lernen; z.B. kann man jemanden herzlich oder unterkühlt, überschwenglich, hochnäsig, arrogant, belanglos, gelangweilt, den Lehrer oder den Kumpel, den tollen Typen/ das nette Mädchen, das man gerne kennenlernen möchte, jemanden verliebt, lasziv, aufdringlich begrüßen. o Aktivitäten mit Körperkontakt, z.B. "Gipfelstürmer" (ebd.), wo sich die Personen auf wenige Tische oder Stühle verteilen müssen und möglichst niemand mehr den Boden berühren darf; auf diese Weise kann die natürliche Scheu überwunden und Hemmungen oder Ängste abgebaut werden. Solche Aktivitäten sind außerdem deshalb wichtig, weil Kinder hier lernen, Vertrauen in die Gruppe oder Einzelne zu erfahren, wozu sich vor allem Aufgaben wie Blind-Führen, Hochlebenlassen und taktile Reize, z.B. Massieren, eignen. o Spiele, bei denen die Aufmerksamkeit auf bestimmte Merkmale des Gegenübers gelenkt wird, z.B. Stimme, Körperhaltung, Bewegung, die Art, Gefühle zu zeigen, Gestik, Mimik, besondere Vorlieben; damit wird die Wahrnehmung für persönliche, individuelle Eigenschaften und damit des Menschen als Person geschärft. Das heißt, daß Sexualerziehung sich nicht in erster Linie auf das Geschlecht konzentriert, sondern soziale Interaktion thematisiert, indem sie diese erzeugt und Regeln für den Umgang miteinander entwirft. Situationen, in denen die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des menschlichen Körpers entdeckt, unterschiedliche Umgangs- und Ausdrucksformen ausprobiert und Selbstwirksamkeit erfahren werden können, erweitern das Verhaltensrepertoire von Kindern und Jugendlichen und stärken ihr Selbstbewußtsein; Sexualerziehung schafft die Bedingungen dafür, bringt die Erlebnisse zur Sprache, reflektiert diese und ermöglicht Jungen und Mädchen so, Gefühle und Stimmungen bei sich und anderen differenziert wahrzunehmen, sich selber kennenzulernen, den eigenen Körper souverän zu gebrauchen, ein Bewußtsein für Integrität und Intimität zu entwickeln, Autonomie geltend zu machen und sich vor Übergriffen zu schützen. Sexualerziehung bereitet Kinder und Jugendliche auf die angemessene Gestaltung von Situationen des täglichen Lebens vor und vermittelt so Fähigkeiten, die als kulturelles Basiswissen gelten können. Sexualerziehung lebt dabei von der Körperlichkeit des Menschen, der Körper ist unbestreitbar ein wichtiger Teil des Lebens. Den eigenen Körper auch in taktiler Wahrnehmung durch andere zu erfahren und zu erleben, ist eine elementare Erfahrung für die Entwicklung von Identität und eine wesentliche Voraussetzung für Vertrauen zu sich und zur Welt. Somit kommt körperzentrierten Aktivitäten wie den oben unter "Beispiele" genannten große Bedeutung zu; der Körper als Repräsentanz des Selbst, als Mittel, Gefühle und Stimmungen auszudrücken und Kontakt zur Umwelt aufzunehmen, verdient, im schulischen Unterricht seiner Funktion entsprechend gewürdigt zu werden. Erfahrungen mit Körperkontakt allein der Familie, den Sportvereinen oder späteren Partnerschaften vorzubehalten und darauf zu vertrauen, daß selbstgesteuerte Erfahrung schon zum Ziel befriedigender Identität führen werde, wie es die ausschließlich auf kognitive Vermittlung angelegten Richtlinien zur Sexualerziehung unter Hinweis auf Art. 6 GG (Schutz von Ehe und Familie) erkennen lassen (vgl. Entwurf vom 30.4.98 der Richtlinien für die Sexualerziehung in NRW), könnte dagegen meines Erachtens Ursache vieler Fehlentwicklungen sein, darunter auch süchtiges Verhalten. Daß ein sexualerziehender Unterricht, der auch körperliche Interaktion als methodisches Element mit einbezieht, große Sensibilität und Verantwortungsbewußtsein der beteiligten LehrerInnen erfordert, um die individuellen Bedürfnisse der SchülerInnen nach Nähe und Distanz zu wahren, ist allerdings unbestritten und wird von der Öffentlichkeit zu Recht kritisch beobachtet.
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