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Suchtprävention in der Schule

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6.5.1 Elterliches Modellverhalten?

Das Elternhaus bzw. der elterliche Haushalt oder die Familie sind die erste Sozialisationsinstanz eines Menschen. In der Familie werden grundlegende, basale Fertigkeiten und Verhaltensmuster erworben, die auch später praktisch nicht erschüttert werden können (vgl. 4.2, 4.3). Grundlegend sind die Art und Weise, wie elementare Bedürfnisse nach Kommunikation und solche materieller Natur befriedigt werden. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, daß es Zusammenhänge zwischen der Art und Weise, wie diese Bedürfnisse befriedigt werden, und einer späteren Ausprägung süchtigen Verhaltens gibt (z.B. Hornung 1983).

Eine häufig geäußerte Vermutung im Zusammenhang mit den familiären Bedingungen einer Suchtausprägung ist, daß im Sinne der Lerntheorien das Konsumverhalten der Eltern den Kindern als Modell dient (vgl. 4.3). Untersuchungen diesbezüglich kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen (vgl. Sieber 1993). Sieber (ebd.) kommt bei seiner Analyse von 22 Längsschnittstudien zu dem Ergebnis, daß dies nur für Tabakkonsum gelte, nicht dagegen für andere Drogen. Kinder rauchender Eltern würden 1,5mal häufiger mit dem Rauchen beginnen als Kinder nichtrauchender Eltern.

Hornung et al. (Hornung 1983) kommen dagegen zu dem Schluß, daß "alle Konsumgewohnheiten der Eltern mit Ausnahme des Zigarettenkonsums des Vaters einen Bezug zum Drogenkonsum des Jugendlichen aufweisen" (ebd.). Vor allem Mütter dienten mit ihrem Konsumverhalten den Kindern als Modell, hier besonders durch den Konsum von Schmerz- und Schlafmitteln (ebd.). Kinder lernten dadurch, daß psychische Konflikte pharmakologisch reguliert werden können (Gassmann 1985). Hornung et al. fanden darüberhinaus, daß ein erheblicher Einfluß von drogenkonsumierenden Geschwistern ausgeht, die u.U. oftmals gewichtigere Vorbilder sein können als Eltern (Hornung 1983).

6.5.2 Broken-home-Situation?

Die solcherart im vorigen Kapitel gefundenen Zusammenhänge zwischen dem Drogenkonsum von Eltern und Kindern sind allerdings nicht zwingend auf das Modellernen zurückzuführen, weshalb sie mit Vorsicht zu betrachten sind (vgl. Waibel 1993). Vorstellbar ist auch, daß sich die intergenerative Weitergabe bestimmter Verhaltensmuster auf ganz anderen Wegen vermittelt als hier zunächst unterstellt.

Ähnliches gilt für die ebenfalls immer wieder zur Begründung des Drogenkonsums von Kindern und Jugendlichen vorgebrachte "broken-home"-Theorie. Damit ist gesagt, daß Kinder und Jugendliche aus unvollständigen Familien, also vor allem solche mit einem alleinerziehenden Elternteil, häufiger Drogen konsumierten als andere Kinder.

Sieber (1993) bestätigt diese Theorie aufgrund seiner Metaanalyse ausschließlich für den Alkoholkonsum. Hornung et al. (1983) finden Zusammenhänge zwischen broken-home-Situation und dem Konsum illegaler Drogen, weisen aber darauf hin, daß es besonders auf das Alter der Kinder ankomme, in dem die broken-home-Situation eintritt. In ihrer Studie stieg der Konsum illegaler Drogen gegenüber Kindern aus kompletten Familien, wenn diese zum Zeitpunkt des Auseinanderbrechens der Familie zwischen sieben und vierzehn Jahre alt waren, und war dort am stärksten, wo die Kinder älter als vierzehn Jahre waren. Sie vermuten, daß Kinder in diesem Alter die Familie bereits als Ganzes wahrnehmen und von daher ein Auseinanderbrechen eher als Verlust an Orientierung und emotionaler Sicherheit empfinden als jüngere Kinder, die noch stärker auf die Mutter fixiert sind.

Die unvollständige Familiensituation wirkt sich in erster Linie für den Fall der Trennung oder Scheidung der Eltern aus, für den Fall des Todes eines Elternteils waren die gefundenen Zusammenhänge weniger eindeutig (ebd.). Darüberhinaus fanden sie genannte Zusammenhänge nur dort, wo die leibliche Mutter fehlte; bei alleinerziehenden Müttern konnten sie keine erhöhte Drogengefährdung der Kinder feststellen. Ebenso seien Kinder, die durchgehend im Heim aufwachsen, keinem erhöhten Risiko, illegale Drogen zu konsumieren, ausgesetzt. Problematisch sei die Situation dagegen dort, wo ein Wechsel zwischen Heim und Rest- oder Ersatzfamilie stattfinde, die höchste Drogenkontaktquote fanden sie dort, wo Verwandte die Erziehung der Kinder übernahmen (ebd.).

Hornung et al. weisen darauf hin, daß der broken-home-Theorie aufgrund der von ihnen gefundenen Zahlen nur begrenzter Wert zur Erklärung jugendlichen Drogenkonsums zukomme, da der Einfluß der untersuchten familiären Bedingungen vermutlich eher indirekter Natur sei, "indem die Strukturen einen Rahmen für mögliche Interaktionen und Beziehungsmuster zwischen den Familienmitgliedern darstellen" (Hornung 1983). Entscheidend seien die Umstände der Scheidung, die familiäre Situation im Vorfeld und im Anschluß daran (ebd.). Dies wird unterstützt durch ihre Untersuchungen bezüglich des Erziehungsstils der Eltern (ebd.).

 

  
Echter Rausch kommt von innen: Suchtvorbeugung von Jugendlichen für Jugendliche
von Frank Lindemann
Siehe auch:
Die echte italienische Küche
von Franco Benussi, Reinhardt Hess, und Sabine Sälzer (in Küche & Haushalt)
Freischwimmer
von Echt (in Musik)
Echte Freunde - Dostana
von Priyanka Chopra, Abhishek Bachchan, und John Abraham (in DVD & Blu-ray)
Du trägst keine Liebe in dir
von Echt (in MP3-Downloads)
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