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5 Zusammenfassung des ersten Teils Sucht und Drogen wurden unter allgemeinen und gesellschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet. Es sollte gezeigt werden, daß Sucht ein komplexes Gebilde ist, das sich in unterschiedlichsten Lebensbereichen manifestiert und aus ebensolchen Perspektiven betrachtet werden kann. Ein geschlossener theoretischer Ansatz zur Erklärung der Sucht liegt bisher nicht vor (Rist 1991). Drogenkonsum und -sucht wurden dabei nicht explizit voneinander geschieden: wo auf eine solche Unterscheidung in der Literatur streng abgehoben wird, scheint sie mir recht willkürlich und eher justizieller Natur denn auf Erkenntnisgewinn angelegt (vgl. Kleber 1993, Nöcker 1990). Der rein genießende Konsum und die konsequent zu Tode führende Sucht sind dagegen vermutlich eher zwei Pole eines Kontinuums, die in ihrer Reinform höchst selten anzutreffen sind - im Extrem also der genießende Kiffer und der sich konsequent zu Tode fixende Junkie. Es sollte weiterhin gezeigt werden, daß alle Erklärungsansätze zur Sucht untereinander Verbindungen aufweisen - psychoanalytische mit mythologischen, lerntheoretische und sozialpsychologische mit biologisch-phylogenetischen, diese wiederum mit mythologischen -, dennoch nur Aspekte beleuchten können und unvollständig sind, da Sucht offenbar Dimensionen menschlicher Existenz berührt, die auf einen Drang des Menschen - immer auf etwas anderes hin, auch als Sehnsucht thematisiert (vgl. Vogt 1993) - verweisen; Sucht besitzt eine religiöse Dimension (Josuttis 1987). Im zweiten Teil soll es um die spezielle Drogen- und Suchtproblematik bei Kindern und Jugendlichen gehen. II. Teil 6. Jugend und Drogen 6.1 Jugendkultur und Drogen In den USA waren Opiate bereits in den 50er Jahren des 20. Jhrdts. als gesellschaftlich diskutiertes Thema relevant (vgl. Burroughs 1953). In Europa spielten illegale Drogen dagegen bis Mitte der sechziger Jahre keine nennenswerte Rolle, betroffen waren höchstens sehr kleine Randgruppen (vgl. die in 1.3 angesprochenen Apotheker). In den Niederlanden wurden beispielsweise von 1950 - ´55 36 Personen wegen illegalen Marihuana-Konsums an eine Beratungsstelle verwiesen (Mulder 1985). Fünfzehn Jahre später, 1970, sind es dagegen bei einer repräsentativen Stichprobe schon 22% der über 16 Jahre alten Niederländer, die illegale Drogen probiert hatten (ebd.). Wie kam es zu einem solch drastischen Anstieg des Drogenkonsums? In den gleichen Zeitraum fallen grundlegende gesellschaftliche Veränderungen, die mit "flower power", Studentenunruhen, Demokratisierung und dem Aufstand gegen überkommene autoritäre Strukturen in der westlichen Welt in Zusammenhang gebracht werden. Mulder (1985) sieht in dieser Entwicklung den Ausdruck eines Generationenkonflikts, der durch das Festhalten an einer "Arbeit, Leistung, Konkurrenzkampf" verpflichteten, "materialistischen, gefühlsarmen" Kultur der Älteren einerseits, dem Entstehen einer "Ideologie [...] der Zusammenarbeit, Kreativität und tiefgehenden menschlichen Beziehungen" (ebd.) der jungen Generation andererseits gekennzeichnet sei. Diese Ideologie der Jüngeren, die ausgehend von der Protestbewegung Ende der 60er Jahre schließlich auch Eingang in die Politik fand, zog eine Jugend-Subkultur nach sich, in der der Konsum illegaler Drogen eine wichtige Rolle spielte. Bewußtseinserweiterung, Halluzinationen, psychedelische Eindrücke sind Schlagworte, die seinerzeit überall propagiert wurden - die damals neue Droge LSD, von Psychologie-Professor Timothy Leary angepriesen und 1967 100.000-fach über den Besuchern eines Konzertes an der amerikanischen Westküste vom Flugzeug aus abgeworfen (Tretter 1998), steht stellvertretend für diese Begriffe und kann im Nachhinein als Symbol dieser Zeit begriffen werden. Eine ähnliche Rolle wie damals LSD dürfte heute Ecstasy für die Rave-Bewegung spielen. Von den Benutzern wird es vor allem wegen seiner "entaktogenen" Wirkung geschätzt - ein Gefühl der Zugewandheit, ähnlich dem bei tatsächlicher, physischer Berührung, auch "Herzöffnereffekt" genannt (Holterhoff-Schulte 1998). Viele sehen in der Rave-Bewegung die legitime Nachfolgerin der Hippie-Bewegung (vgl. Rabes 1995), die Love-Parade in Berlin, z.B. am 8.7.2000 in Berlin, wird von vielen ihrer Kommentatoren, auch im Öfftl.-Rechtl. Fernsehen, so interpretiert (vgl. Phoenix-Fernsehen vom 9.7.00, 4.50 Uhr). Gemeinsam ist beiden, daß sie wesentliche Einstellungen und Grundhaltungen der jungen Bevölkerung repräsentieren (Walder 1995). Drogenkonsum ist somit eng - wenn auch nicht zwangsläufig - an Jugendkultur gebunden (Kurz-Adam 1995), der Konsum illegaler Drogen zum allergrößten Teil eine Verhaltensweise junger Menschen (Mulder 1985).
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