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Suchtprävention in der Schule

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4.4 Sozialpsychologische Theorien

Sozialpsychologische Theorien betonen vor allem die Einflüsse der Umgebung auf die Ausprägung süchtigen Verhaltens. Viele Faktoren wurden auf ihre Wirksamkeit bzgl. einer Suchtentwicklung untersucht, z.B. häusliches Milieu, sozioökonomische Bedingungen, Sozialisation, Schichtzugehörigkeit, Schulleistungen, Zukunftsperspektiven, gesellschaftliche Strukturen etc. Für die soziale Schichtzugehörigkeit wurde z.B. festgestellt, daß Opiatkonsum im Gegensatz zu Cannabiskonsum häufiger bei Angehörigen der Unterschicht zu beobachten sei. Als Erklärung wird vermutet, daß hier eine niedrigere Frustrationstoleranz herrscht, bei gleichzeitig stärkerer Gegenwartsorientierung und Neigung zu sofortiger Bedürfnisbefriedigung im Gegensatz zu aufgeschobener, zukünftiger Bedürfnisbefriedigung (Wöbcke 1995).

Insgesamt divergieren die Ergebnisse solcher Studien aber stark und scheinen eher die Erwartungen ihrer Initiatoren widerzuspiegeln (vgl. Wöbcke 1995). Sucht präsentiert sich als komplexes Feld, in dem etliche Prozesse zusammenwirken, die zirkulär-kausal verlaufen und erst ex post extrahiert werden können (Löcherbach 1992). Das Schaubild (nächste Seite) soll einen Eindruck davon vermitteln (aus Wöbcke 1995).

Weitgehende Übereinstimmung scheint in der Bedeutung folgender Faktoren zu bestehen:

o Persönlichkeitsmerkmale; vor allem Depressivität wird durchgehend genannt (vgl. Schwab 1994).

o Vulnerabilitätsmerkmale der Herkunftsfamilien, die allerdings schwer zu spezifizieren sind (Wöbcke 1995). Genannt werden u.a. rigide Werthaltungen und Rollenverteilungen, aber auch diffuse interne Grenzen bei gleichzeitiger Abschottung von der Umwelt; außerdem ein konfliktvermeidender Kommunikationsstil (Rösch 1992, vgl. 6.5.4).

o Peer Group

o gesellschaftliche Struktur mit einseitigen Normierungs- und Wertsetzungsprozessen (Wöbcke 1995); andere Autoren nennen die Divergenz von Leistungs- und Konsumorientierung (Niebling 1997).

Die Prävalenz dieser Faktoren für ein späteres Suchtverhalten ist aber je nach Person verschieden und und verhält sich nicht additiv, d.h. es kommt nicht darauf an, wieviele Faktoren in einer Person zusammentreffen, sondern in welcher Konstellation. Nachdem in Tierversuchen festgestellt wurde, daß auch Ratten süchtiges Verhalten entwickeln, wurden dort folgende Persönlichkeits- und Umgebungsvariablen eruiert, die Korrelationen mit süchtigem Verhalten aufweisen (Wolffgramm 1995):

Merkmal        dominant/

aggressiv

subordinat/

unterordnend

Einzel-

Gruppen-

haltung

1=suchtfördernd, 0= -hemmend

0

1

1

0

gleiche Gruppe unter Belastung

1

0

-

-

Ebenfalls hierher, aber bisher wenig erforscht, gehört die spezifische Wirkungsweise einer Droge; entsprechende Zusammenhänge mit Persönlichkeitsmerkmalen werden vermutet, d.h. es bestünde eine Prävalenz bestimmter Personen für den Gebrauch bestimmter Drogen (vgl. Hurrelmann 1992), ebenso wie Drogen unterschiedliches Suchtpotential besitzen.

 

  
Kinder aus alkoholbelasteten Familien. Entwicklungsrisiken und -chancen (Klinische Kinderpsychologie) (Taschenbuch)
von Martin Zobel
Siehe auch:
Wenn Eltern zu viel trinken. Risiken und Chancen für die Kinder (Ratschlag)
von Martin Zobel
Familienkrankheit Alkoholismus. Im Sog der Abhängigkeit.
von Ursula Lambrou
Um die Kindheit betrogen
von Janet G. Woititz
Die vergessenen Kinder: Kinder von Suchtkranken
von Ingrid Arenz-Greiving
 
    
     
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