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Zeitlose Weisheiten
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Denken Sie mal über Aluminium nach. Diesen inzwischen legendären Satz in einer Werbekampagne eines großen deutschen Automobilherstellers Ende der 90er Jahre formulierte kein geringerer als der Grandseigneur der Börse schlechthin, André Kostolany. Mit einfachen Worten brachte er Dinge auf den Punkt, kaum jemand konnte sich seiner bestechenden Logik entziehen. Inzwischen ist Kostolany von dieser Welt gegangen, aber sein Vermächtnis um die Börse ist unermesslich groß.
In seinem Buch Die Kunst über Geld nachzudenken griff er nochmals tief in die Trickkiste und vermittelte Grundsätzliches, beispielsweise über das Verhältnis zum Geld. Es ist Kostolanys große Stärke gewesen, in kleinen Anekdoten den Kern einer Sache ein wenig zuzuspitzen und damit jedem verständlich zu machen. Geld macht in Kostolanys Augen einen Menschen vor allem unabhängig, nur darf er sich selbst nicht abhängig vom Geld machen. Auch wenn er ironisch drei Wege beschreibt, reich zu werden durch Heirat, eine gute Geschäftsidee oder eben Spekulation dann beginnt der Leser zu schmunzeln. Jedoch ist für Kosto Spekulation immer auch gefährliche Seefahrt zwischen Vermögen und Pleite, weshalb nicht automatisch jeder Anleger auch zum Spekulanten geeignet sei. Der gebürtige Ungar nimmt hier jeden Investor in die Pflicht, sich kritisch zu hinterfragen, welcher Anlegertyp er ist und mit welchen Mitteln er zu hantieren gedenkt. Kostolany argumentiert dabei nicht oberlehrerhaft, sondern im Stile eines Börsianers, der nun wirklich alles gesehen hat.
Wo Kostolany geirrt haben könnte, ist der Zusammenhang zwischen Inflation und Deflation. Inflation sei nichts per se schlechtes, Deflation dagegen schon. Es gab aber Phasen in der Entwicklung der industrialisierten Welt, in denen Deflation herrschte und sich die Börsen dennoch nach oben entwickelten. Kostolany wich an Stellen wie diesen von seinem anekdoten-haften Schreibstil ab und bastelte sich einige Allgemeinplätze zurecht, die so recht zum Buch nicht passen wollen. Griffig wird das Buch erst dann wieder, wenn er zum Thema Psychologie gelangt. Die Psychologie der Börse ist so etwas wie das Lieblingsthema von Kostolany gewesen, denn wie sehr die Börse vom Verhalten der Akteuere abhängt, kann Kostolany sehr schön beschreiben. Hier können junge Anleger viel lernen, sich den Erfahrungsschatzes des Autors bedienen. Erst recht die Aufarbeitung der Börsenkräche, denn diese waren und sind die Regel, und eben nicht die Ausnahme.
Viele Anleger werden sich bei der Lektüre denken, man möchte Kostolany doch noch einmal live erleben, so wie einstmals in einer Talk-Show während der Hausse am Neuen Markt. Kostolany redete sich in Rage, prophezeite den IT- und Mobilfunk-Neureichen tiefe Abstürze. Wie so oft glaubte ihm niemand aber letztlich behielt Kostolany Recht. Vieles im Buch dürfte ebenfalls zeitlose Gültigkeit haben.
Eine Rezension von Tobias M. Karow >
vom 25. Juni 2010 | | |
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